r o s s i p h o t o

B i l d e r  v o n  G e r h a r d  R o s s m e i s s l

 

I c h  ü b e r  m i c h

 

I c h  ü b e r  m i c h  a u s  d e r  S i c h t  v o n  m i r


Begeisteter Freizeitknipser und Hobbyfotograf. Ja! Der Begriff Knipser ist verpönt und es würde mir auch Leid tun, wenn sich ein Besucher an diesem Wort stören würde. Aber mal ehrlich, knipsen wir im Grunde nicht alle? Ich jedenfalls mag diesen Ausdruck und finde ihn nicht verletzend, denn letztendlich war und bin ich bis heute ein begeisteter Hobbyknipser.

 

Der auslösende Moment in meinem Leben, eingefangen von meinem Papa im Jahr 1959. Er hielt sich so einen komischen Kasten vor das Gesicht, silbrig glänzend in einer braunen Hülle und dann blitzte es auch noch. Davon war ich, wie man sieht, so begeistert, dass ich mir dachte, was Papa kann, mache ich später, wenn ich einmal groß bin, auch.

 

Daher fotografiere ich seit meinem zehnten Lebensjahr mit einer gewissen Leidenschaft und auch wenn sich meine Interessen an fotografischen Themen immer wieder einmal geändert haben, bleibe ich meinen Grundsätzen und meiner kreativen Linie treu.

 


Diese kreative Linie zeige ich in der Hauptsache bei den Themen Architektur, Natur und Urbanes. Zuerst mit einer ISO-PAC von Agfa und diese Kamera war damals für mich das Beste, was mir passieren konnte. Einfach drauf los, denn ich musste keine Entfernung und keine Belichtung einstellen und am Ende kamen auch noch ansehnliche Bilder heraus.

 

Diese liegen heute vergilbt und zusammengepresst in einem Karton im Keller, denn schnell stellte ich fest, dass die Farben auf den Bildern anders aussahen, als ich sie in Erinnerung hatte. Daher kaufte ich mir von dem ersparten Geld meine erste Spiegelreflexkamera, eine Minolta SR-T 303 mit einem unglaublich lichtstarken 1,0 50 mm Objektiv.

 

Doch unsere Wege trennten sich bald, denn es erwies sich als ein Fehler, die Kamera im Auto und dieses an einem sehr einsamen Strand auf Sardinien stehen zu lassen. Mit der neuen Kamera, einer Minolta XD-7 entdeckte ich die Weitwinkelfotografie und die Weite bzw. die Krümmung, die man damit erzielen kann, begeistern mich bis heute.

 

So wie die gesamte Fotografie. Aus Analog wurde Digital, aus meiner Dunkelkammer wurde Photoshop. Vieles im Photoshop und den sich daraus ergebenden Möglichkeiten gefällt mir, doch so einiges finde ich an der modernen Fotografie einfach übertrieben und zu überfrachtet. Ich bin kein Anhänger von 40 Bildern des Sternenhimmels und exzessiver Nachbearbeitung mit Photoshop oder mit irgend einem zusätzlichen Programm, nur um dann die Milchstraße auf dem Bild zu sehen, etwas, was man mit dem menschlichen Auge so - zumindest in unseren Breiten - niemals sehen würde. Das mag vielen gefallen, mir nicht. Daher nenne ich meine Bilder pure Fotografie, oder gesehen und fotografiert.

M o d e r n e  F o t o g r a f i e


Trotzdem experimentiere ich hin und wieder mit meinen Kameras und lehne Neues nicht ab. Im Gegenteil, die Technik hat sich enorm verbessert. Zwischen den Bildern, die ich mit meiner ersten Digitalkamera geknipst habe und den aktuellen Fotos, die mit meinen Canon- und Sony Kameras entstanden sind, ist ein himmelweiter Unterschied zu erkennen. Doch leider macht es mir die Welt, die immer mehr von Handyfotograf*innen, Massentourismus und sozialen Medien wie Facebook und Instagram dominiert wird, nicht einfach. Was soll ich noch fotografieren? Mir scheint, es wurde zwar schon alles fotografiert, aber noch nicht von jedem. Doch ich weigere mich zunehmend, das abzulichten, das die Masse fotografiert.

 

An einer Hauswand stand geschrieben, nur wer eigene Wege geht, hinterlässt Spuren. Ich habe nicht den Ehrgeiz, Spuren zu hinterlassen, aber den Wunsch, eigene Weg zu gehen, denn es gibt wohl nichts einfallsloseres als die selben Motive abzulichten oder zu präsentieren, die andere Fotograf*innen vor mir, parallel zu mir oder nach mir fotografieren. Besonders wenn ich feststelle, dass Motive, die ich einst in aller Stille geknipst habe zu einem fotografischen Massenmagnet geworden sind, verschwinden die Bilder gleichen Inhalts für immer in meinem Archiv, denn ich habe keine Lust mehr, diese dann zu zeigen. Für mich persönlich besteht dadurch die Gefahr, zum Banalitätszwerg abgestempelt zu werden, der wie so viele andere auch, nur seelenlose und fast identische Bilder eines Steg-im-See Panoramas mit überdrehten Photoshop Farben liefert, als wirklich gute und anspruchsvolle Bilder zu fotografieren. Daher werden Sie bei mir kaum mehr Bilder von sogenannten Locations oder Spots finden, die tausendfach in den sozialen Medien mit der Gier nach Likes und Sternchen gepostet werden.

K r e a t i v i t ä t


Vielleicht habe ich nochmal so eine Idee wie Anfang der 2000er Jahre, als ich durch eine Glaskugel blickte und die Welt daraufhin Kopf stand. Anschließend brauchte ich zwei Jahre, um daraus eine Idee zu entwickeln und um die richtige Kugel zu finden. Hört sich heute seltsam an, es war aber damals nicht so einfach, eine reine Kugel ohne sichtbaren Lufteinschluss zu bekommen. Parallel dazu suchte ich im Internet nach vergleichbaren Bildern, wie ich sie bereits gedanklich in meinem Kopf hatte. Fehlanzeige, ich fand kein einziges Bild. Also fotografierte ich meine ersten Kugelbilder und bot die Fotos Agenturen und Bildergalerien an. Sie wurden mir förmlich aus den Händen gerissen, offensichtlich war ich damals der Erste, der solche Bilder gemacht hatte?

 

Eines meiner ersten Kugelbilder (rechts), wurde am Neujahrstag im Jahr 2004 aufgenommen. Dieses und weitere Bilder schafften sogar den Sprung über den Atlantik. Doch nun liegt diese Kugel zusammen mit meinen anderen fünfzehn kleinen und großen Glaskugeln längst im Keller bzw. die Bilder im Archiv, denn ich fotografiere seit längerer Zeit durch keine Kugel mehr. Der Markt dafür wurde mir zu groß und die Bilder zu inflationär von vielen anderen geknipst.

 

Also suche ich nach neuen Ideen, doch es ist nicht so leicht, wie es vielleicht für einige erscheinen mag.


Mein großes Interesse ist im Augenblick die Makrofotografie, denn es gibt nichts spannenders, als im Sommer auf einer Bergwiese zu liegen und das Gras beim wachsen zu beobachten. Aber im Ernst, in der kleinen Welt zwischen Grashalmen und Bergblumen spielen sich wahre Dramen ab und ich kann mir gut vorstellen, im Dschungel Afrikas oder Südamerikas geht es ähnlich zu, nur eben etwas größer. Leider bewegen sich die Tierchen und halten nicht stille, wenn ich meine Kamera darauf halte. Daher wird es noch ein wenig dauern, bis ich meine ersten Bilder im Kasten habe, aber ich übe und bemühe mich, so dass ich die Bilder eines Tages für gut genug halten werde, hier zu zeigen.

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